Wer Ausbildungsplätze zu vergeben hat,
muss ins Internet. | Grafiken: Soka-Bau
Nach Wünschen, Erfahrungen und Zielen von Berufseinsteigern in der Bauwirtschaft fragte eine Studie der Soka-Bau und des F.A.Z.-Instituts für Management-, Markt- und Medieninformationen. Danach wählen junge Baueinsteiger ihren Ausbildungsberuf nach Interessen und Jobperspektiven: Vor allem die Kriterien Spaß an der Arbeit und im Betrieb, gute Berufsperspektiven und die private Anwendbarkeit der gelernten Fertigkeiten geben bei der Berufswahl den Ausschlag. Das bedeute auch, so die Macher der Studie: Eine Ausbildung am Bau ist kein Notnagel, weil andere Ausbildungsplätze nicht zu bekommen sind.
Internet als Informationsmedium weit vorn
Unter den Informationsmedien ist das Internet mit großem Abstand die wichtigste Quelle, ergab die Studie. 91,3 Prozent der Azubis nutzten dieses Medium, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Dahinter folgt mit großem Abstand die Schule, die Informationsmaterial für den Einstieg in das Berufsleben bereitstellt (28,8 Prozent). Weniger wichtig waren den Azubis Broschüren und Flyer (19,6 Prozent), Messeveranstaltungen zur Berufswelt (17 Prozent), Zeitungen (11,2 Prozent) sowie Öffentlichkeitsveranstaltungen von überbetrieblichen Ausbildungszentren (9,9 Prozent).
Wichtig: Frühe Kontakte zum Betrieb
Die meisten Azubis stellen sich mit klassischen Bewerbungen bei ihren Ausbildungsbetrieben vor. Interessant: Fast jeder zweite von ihnen stand vorher schon länger mit seinem Ausbildungsbetrieb in persönlichem Kontakt.
Für die Bauprofis, die heute noch in ihren Ausbildungsbetrieben arbeiten, spielten frühzeitige Kontakte eine noch größere Rolle, so die Studie. Umgekehrt fand bei denjenigen, die ihre Berufsausbildung abgebrochen haben, das Kennenlernen häufig erst mit dem Beginn der Ausbildung statt. Vielen Abbrechern fehlte eine professionelle Beratung vorab.
Der frühzeitige Kontakt und der intensive Abgleich der Erwartungen der Bewerber mit der Realität scheinen wesentliche Faktoren für den Ausbildungserfolg und den Branchenverbleib zu sein, folgert die Studie.
Mit der Ausbildung zufrieden
Erfreulich: Fast alle befragten Azubis sind laut Studie mit ihrer aktuellen Berufsausbildung am Bau zufrieden (93,5 Prozent). Ein Viertel von ihnen sei sogar sehr zufrieden (24,8 Prozent). Fast neun von zehn Azubis äußerten sich positiv über das eigene Unternehmen (89,6 Prozent), gut jeder zweite sehr positiv.
Fazit der Studie: Die Ausbildung am Bau gelinge vor allem dann, wenn sie umfassend und gründlich sei. Zudem müsse die Arbeit auf der Baustelle und mit den Kollegen Spaß bereiten. Die Azubis wollen Kompetenzen und Fertigkeiten erlernen und praktisch anwenden. Die Höhe der Ausbildungsvergütung spiele dagegen nicht die primäre Rolle bei der Berufswahl.
Kritik an Ausbildungsbetrieben
Bei ehemaligen Auszubildenden, die ihre Bauausbildung abgebrochen haben, zeigte sich: Fast jeder zweite Abbrecher war mit seinem Ausbildungsbetrieb unzufrieden. Die meisten Abbrecher von Ausbildungen kritisieren das Arbeitsklima, die hohe Arbeitsbelastung und ihre Behandlung durch Vorgesetzte und Kollegen. Zugleich bemängeln manche von ihnen ein nicht zufriedenstellendes Ausbildungsniveau in ihren Unternehmen.
Karriere am Bau angestrebt
Der Nachwuchs ist durchaus ambitioniert: Er setzt vor allem auf Weiterbildung. 60 Prozent der Azubis streben die Meisterprüfung an, 39,5 Prozent der Azubis wollen Polier werden. Immerhin 29,8 Prozent der Azubis planen, ein Studium aufzunehmen. 27,6 Prozent der Azubis fassen für die kommenden zehn Jahre eine Tätigkeit als freier Unternehmer ins Auge. bb