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Von zahllosen Miniermotten-Larven miniertes und geschädigtes Kastanienblatt. Der Stoffwechsel eines so stark befallenen Baumes ist schwer gestört. Bei mehrjährigem Befall wird er deutlich geschwächt und krank werden. |  Foto: Klemp

Meisen gegen Miniermotten

Hat die Kastanienminiermotte doch natürliche Feinde in der Vogelwelt?

Kohl- und Blaumeise an den nach historischem niederländischem Vorbild gebrannten Meisenpötten. | Foto: Schwedtke

 

Von Herwig Klemp, Oldenburg       

Meisen sind sehr lernfähig. Man denke an das Beispiel aus Großbritannien: Dort lernten diese Singvögel, die Aluminiumdeckel von Milchflaschen aufzupicken, um an den Schmand zu gelangen. Einen ähnlichen Lernprozess haben Kohl- und Blaumeisen inzwischen bei uns durchgemacht, indem sie aus den Blättern befallener Rosskastanien die darin verborgenen Larven und Puppen der Kastanienminiermotte herauspicken. Vogelbeobachter aus dem Südwesten Deutschlands beobachteten 2009, dass Blau- wie auch Kohlmeisen von morgens früh bis abends spät befallene Rosskastanien anflogen und mit Miniermottenlarven ihre Jungen fütterten.
„Bislang gingen wir davon aus, dass die erstmals 1984 im albanisch-mazedonischen Grenzgebiet aufgetauchte Kastanienminiermotte bei uns keine natürlichen Feinde in der Vogelwelt hat“, berichtet Dr. Helmut Haardt, Abteilungsleiter Biologischer Pflanzenschutz bei der re-natur GmbH. Um so mehr freut sich der Fachmann über die Kunde aus Freiburg im Breisgau. Dort hat Martin Leser, stellvertretender Leiter des Garten- und Tiefbauamtes die Initiative ergriffen und in der Werkstatt der Justizvollzugsanstalt zunächst 300 Meisenkästen bauen lassen. Im Rahmen der Initiative „Freiburg packt an“ hat die Ortsgruppe des Naturschutzbund Deutschland das Aufhängen der Kästen übernommen. Die Vogelschützer wollen im Sommer genau festhalten, inwieweit sich die Förderung der Meisen auf den Gesundheitszustand der Kastanien positiv auswirkt. Martin Leser: „Natürlich werden wir auch weiterhin das herabgefallene Kastanienlaub einsammeln und verbrennen. Darin nämlich überwintern die verpuppten Miniermotten. Und zusätzlich arbeiten wir mit Lockstoff-Fallen.“
Diese Lockstoff-Fallen enthalten die konzentrierten Sexualdüfte der weiblichen Miniermotten. Die Düfte locken die männlichen Miniermotten an – die in den Fallen umkommenden Männchen können die Weibchen nicht mehr befruchten und die Population wird geschwächt. „Am besten ist,“ so Dr. Haardt von re-natur, „die Fallen bereits beim Laubaustrieb im unteren Kronenbereich aufzuhängen.“ Mit jeder neuen Befüllung werden die Fallen dann höher im Baum aufgehängt.“ Er empfiehlt auf jeden Fall den Besitzern geplagter Rosskastanien, zusätzlich in den Bäumen oder anderswo auf dem Grundstück so schnell wie möglich noch Meisenkästen aufzuhängen.
Infos unter www.re-natur.de